Kinobeschreibung
Dieses Jahr präsentieren wir euch wieder 3 ausgesuchte Dokumentarfilme an 3 warmen Sommerabenden im Neuköllner Körnerpark. (Jonasstraße Ecke Selkestraße) Der Eintritt zu allen Vorführungen ist natürlich frei. (Bei schlechtem Wetter finden die Vorführungen in der WerkStadt statt, Emser Straße 124.)
Donnerstag 4. August 2011, 20:30
Der Weiße mit dem Schwarzbrot
Regie: Jonas Grosch
”Der einzige Film über die RAF, aus dem ein Mensch mich anspricht.“
Volker Schlöndorff
Christof Wackernagel, in Deutschland bekannt als Schauspieler und ehemaliges RAF-Mitglied, lebt in Mali, Westafrika. Jonas Grosch zeigt in seinem mitreißenden Portrait einen Mann, der einfach nicht stillhalten kann, wenn er Unrecht wittert. Zivilcourage, gepaart mit Eitelkeit? Wie auch immer: Wir ahnen, was ihn mit der RAF verband. Christof Wackernagel lässt sich mit seinem unbändigen Freiheitswillen in die Unbilden des afrikanischen Alltags verstricken.
Donnerstag 18. August 2011, 20:30
Hochburg der Sünden
Regie: Thomas Lauterbach
Aysel ist gläubige Muslima und lebt seit vielen Jahren ein wohl behütetes Leben als Hausfrau und Mutter in der schwäbischen Provinz. Als sie erfährt, dass am Stuttgarter Staatstheater türkische Laiendarstellerinnen für die Tragödie "Medea" gesucht werden, sieht sie die Chance ihrer Langeweile zu entfliehen und bewirbt sich. Was sich am Anfang nach ein wenig Abwechslung anhört, stellt Aysel's Weltbild bald auf eine harte Probe.
Der Regisseur Volker Lösch will die Narrenfreiheit des Theaters nutzen, um in die teils sehr verschlossene Welt der muslimischen Frauen vorzudringen. Während der Entstehung des Stücks wird Aysel so mit den tragischen Lebensgeschichten anderer muslimischer Frauen konfrontiert, die sie bisher nur von Hörensagen kannte.
Als einzige Kopftuchträgerin muss sie ihre Werte und ihren Lebensstil gegenüber moderneren Türkinnen verteidigen. Zerrissen zwischen der Sehnsucht nach Freiheit und der eigenen Tradition, gerät Aysel in einen Glaubenskonflikt und wird gezwungen, ihr eigenes Leben zu hinterfragen. Aysel beginnt zu kämpfen, gegen Klischees, gegen die "Sittenlosigkeit" am Theater und zuletzt gegen sich selbst.
Donnerstag 1. September 2011, 20:30
No Name City
Regie: Florian Flicker
Ein Erlebnispark. Ziel von Familienausflügen und Schauplatz lustvoller Erlebnisse in abenteuerlichem Umfeld. Eine kleine Westernstadt samt Saloon, Hotel und Sheriff-Büro, umgeben von perfekt angelegter Naturkulisse vor den Toren Wiens.
Wie jeder Erlebnispark ist auch die No Name City ein kommerzielles Unternehmen, abhängig von publikumsträchtigem Erlebnisangebot und Attraktionen.
NO NAME CITY zeigt kein Interesse, die kommerzielle Oberfläche dieses Parks zu untersuchen. Er fokussiert sein Augenmerk auf den Blick hinter die Kulissen und entdeckt dabei eine Gruppe von Menschen, die – offensichtlich in Selbstverwaltung – diesen Park organisieren. Manche tun es aus fanatischer Liebe zum Western, für andere ist es existentieller Broterwerb.
Dass Geborgenheit ein trügerischer Gefühlszustand ist, beweist auch der Fall No Name City. Hinter den Kulissen ist man alles andere als sorgenfrei. Durchaus zum Westerngenre passend, führt uns der Film einen Kampf um Macht und Vorherrschaft in der Stadt vor Augen.
Der Film ist tragisch in seiner Erkenntnis, dass ein gemeinsames Ziel nicht zwangsläufig einen gemeinsamen Weg zur Folge hat. Seine Komik bezieht er aus dem alltäglichen Leben zwischen Fiktion und Wirklichkeit, welches das Filmteam über mehrere Wochen hinweg mit ihren ProtagonistInnen teilte.
Filmkultur
Freies Körnerkino
Zum Einen wird es im Sommer 2011 und 2012 insgesamt 8 Freiluft-Kinoveranstaltungen im Körnerpark geben, die kostenlos und allen zugänglich sind. Vorgesehen sind Filme mit einem starken sozialpolitischen und interkulturellen Bezug, aber auch mit einem gewissen Unterhaltungswert. Alle Filme sind so ausgesucht, dass sie genügend Gesprächsstoff für alle Besucher bieten. Denn genau das unterscheidet Kino und anspruchsvollen Dokumentarfilm vom Fernsehen, das nur hinter verschlossenen Türen stattfindet.
Projektionen
Des Weiteren wollen wir in Kooperation mit dem kunstraum t27 durch die „Projektionen“ eine weitere Tür in eine noch recht unbekannte Filmform aufstoßen, denn es hat sich gezeigt, dass es eine starke Nachfrage nach Kunstfilmen und anderen Ausprägungen der Projektion gibt und eine stark heterogene Besucherschaft angesprochen wird.
So werden 2011 & 2012 im kunstraum t27 an insgesamt 6 Abenden eine Reihe von Werken vorgeführt, die sich größtenteils aus projizierter Lichtkunst zusammenstellen und die Auseinandersetzung mit visueller Kunst und neuen Medien fördern sollen.
Ansprechpartner: Konrad Kästner
Gefördert durch die Europäische Union, die Bundesrepublik Deutschland und das Land Berlin im Rahmen des Programms "Zukunftsinitiative Stadtteil" Teilprogramm "Soziale Stadt - Investition in Ihre Zukunft".
